Stuttgart. Open-Air Konzerte und andere Großveranstaltungen sollen ebenso wie klassische
Kultur-Events konsequent nach Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit ausgerichtet werden.
Dafür engagiert sich jetzt die SKS M.Russ GmbH gemeinsam mit der Umweltstiftung
NatureLife-International. Dies gaben beide Institutionen bei einem Pressegespräch
am 24. Januar 2008 im Stuttgarter Gottlieb-Daimler-Stadion bekannt. Große Konzertereignisse
wie das Ende Mai anstehende Open-Air Konzert mit Bon Jovi im Daimler-Stadion oder
auch Herbert Grönemeyer in Aalen etc. sollen nicht nur im Hinblick auf Umweltvorsorge
und auch Sozialverträglichkeit beleuchtet, sondern gleichzeitig als Forum verstanden
werden, den Gedanken der Nachhaltigkeit und damit des verantwortlichen Umgangs mit
der Natur und den Ressourcen zu nutzen. "Wir sehen dies als einen konkreten Beitrag,
Umweltbewusstsein und nachhaltiges Denken an eine Vielzahl von Menschen – und dabei
insbesondere Jugendliche – auf sympathische Art und Weise zu vermitteln", so Olaf
Danner, Geschäftsführer bei der Südwestdeutschen Konzertdirektion Stuttgart.
Herbert Grönemeyer
Bon Jovi
Claus-Peter Hutter, Präsident der Nachhaltigkeitsstiftung NatureLife-International
sagte, dass die Zeit vorbei sei, in der Umweltschutz als konsumfeindlich und wirtschaftsbehindernd
angesehen worden sei und zu einer Spaltung der Gesellschaft geführt habe. "Mehr
denn je gilt es, Fragen der Naturbewahrung, des Umweltschutzes und der Sicherung
der ökologischen Lebensgrundlagen ohne erhobenen Zeigefinger zu vermitteln und in
alle gesellschaftlichen Bereiche hineinzutragen" unterstrich Hutter. Die Leute müssten
dort abgeholt werden, wo sie in fröhlicher Stimmung am ehesten erreichbar seien.
Deshalb werde NatureLife-International im Schulterschluss mit der Südwestdeutschen
Konzertdirektion Stuttgart M. Russ GmbH und anderen Partnern über Video-Botschaften,
Veranstaltungsplakate, Tickets und einer begleitenden Öffentlichkeitsarbeit sowie
Workshops für Veranstaltungspartner dazu beitragen, Aspekte des Umweltschutzes und
der Nachhaltigkeit zu vermitteln. "Doch wir belassen es nicht alleine bei Botschaften"
betont Veranstaltungsexperte Olaf Danner. Schritt für Schritt würde man nicht nur
Kriterien für Nachhaltigkeit bei Großveranstaltungen zusammen mit NatureLife-International
sowie im Dialog mit den Künstlern entwickeln, sondern auch im Rahmen des Veranstaltungs-Managements
umsetzen.
Eine wichtige Rolle spielt hierbei das Thema "Energie und Klimaschutz". Schon was
die Anreise der Konzertbesucher anbelangt, will man – etwa im Zusammenwirken mit
dem VVS – verstärkt Kombi-Tickets anbieten, um möglichst viele Menschen dazu zu
bewegen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln - und damit umweltfreundlich - anzureisen.
Der beste Klimaschutz ist immer dann gegeben, wenn Emissionen schon gar nicht entstehen,
so Hutter und Danner. Weil aber nicht jeder Energieaufwand – etwa für das Konzert
selbst mit den Beleuchtungen, den Instrumenten und den gigantischen Lautsprecheranlagen
- vermeidbar ist, soll künftig eine Energie- und Nachhaltigkeitsbilanz Standard
werden. Nicht vermeidbare Emissionen werden im Rahmen konkreter Klimaschutzprojekte
– die NatureLife-International durch Aufforstung vor Jahrzehnten abgeholzter Wälder
etwa in China und auf den Philippinen umsetzt – ausgeglichen werden. Möglichen Einwänden,
dass dies auch eine Form von modernem Klima-Ablasshandel sein könnte, treten die
Initiatoren mit dem klaren Argument entgegen, dass Ergebnisse für Klima, Mensch
und Natur mehr zählen als Grundsatzdiskussionen, mit denen kein müder Euro für den
Umweltschutz aufgebracht werde. "Wir brauchen Taten, nicht Diskussionen", so Olaf
Danner. Und C.-P. Hutter ergänzt, dass es den Menschen in ärmeren Regionen der Erde
egal sei, wie man helfe Armut zu bekämpfen, wenn sie durch die Erhaltung ihrer Lebensräume
wieder eine Zukunftsperspektive bekommen.
Doch geht es bei der Initiative nicht nur um Umweltaufklärung und CO2-Kompensation,
sondern um viele andere konkrete Möglichkeiten der Umweltvorsorge. Hat man sich
seither schon mit Fragen der Vermeidung von Abfällen und des Müllrecyclings beschäftigt,
so geht es jetzt auch darum, wie bei der Verpflegung von Konzertbesuchern regional
erzeugte Lebensmittel und Getränke eingesetzt werden können, wie der Transportaufwand
und damit das Aufkommen klimaschädlicher Gase zu reduzieren ist und wie Konzerte,
etwa für gehbehinderte Menschen noch mehr erlebbar, also barrierefrei, gemacht werden
können.
"Wir sind uns bewusst, dass wir uns viel vorgenommen haben und nicht alles von jetzt
auf nachher erreichen können, aber wir sind uns sicher, dass wir auf dem richtigen
Weg sind", meinte Olaf Danner zu der Partnerschaft mit NatureLife-International.
Die Süddeutsche Konzertdirektion Stuttgart M. Russ GmbH erreicht mit ca. 100 Veranstaltungen
im Jahr ca. 250.000 Besucher und ist einer der größten Veranstalter im Süddeutschen
Raum.
Die Nachhaltigkeitsstiftung NatureLife-International engagiert sich für breite Umweltbildung
und praktischen Naturschutz vor der Haustür ebenso wie für den internationalen Umweltdialog.
Ein Schwerpunkt sind insbesondere Klimaschutzprojekte, welche Armutsbekämpfung,
Wiederaufforstung geschädigter Wälder und den Schutz bedrohter Tier- und Pflanzenarten
in den Tropen und Subtropen verbinden.