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Open-Air-Festival "Rock for Nature" geht neue Wege

Stiftungspräsident Claus-Peter Hutter:
Naturschutz aus dem eigenen Sumpf holen

Auf fröhliche Art und Weise Akzeptanz für Nachhaltigkeit schaffen

Stuttgart / Schwäbisch Hall. Angesichts einer zunehmenden Bedrohung der Biodiversität mit dem drohenden Verlust früher weit verbreiteter Tier- und Pflanzenarten und einem grundlegenden Landschaftswandel durch die Klimaveränderung sind nach Ansicht der Nachhaltigkeitsstiftung NatureLife-International neue Strategien im Naturschutz erforderlich. „Es wird Zeit, dass der Naturschutz aus dem eigenen Sumpf geholt wird um eine größere Akzeptanz in der Gesellschaft zu erreichen“, so Stiftungspräsident Claus-Peter Hutter. Es sei Zeit, dass der Naturschutz sein trotz vieler Anstrengungen immer noch viel zu verstaubtes Image der Bedenkenträger und Neinsager ablege und noch mehr den Schulterschluss zu den verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen suche, betont C.-P. Hutter. Es sei letztlich nur in sehr wenigen Fällen möglich, aus einer reinen Verteidigungshaltung heraus das ökologische Erbe Deutschlands für kommende Generationen zu bewahren. Vielmehr sei es erforderlich, mehr als bislang etwa in Partnerschaft mit der Wirtschaft gestalterisch tätig zu sein um die ökonomische Dimension ökologischer Grundlagen aufzuzeigen. Potentielle, bislang seitens des Naturschutzes nur viel zu zögerlich eingegangene Partnerschaften sieht man seitens NatureLife-International bei Landwirten, Weingärtnern, Jägern, Fischern, Landfrauen und insbesondere beim Tourismus, Handwerk und Mittelstand. „Es muss gelingen, die Landschaft nicht nur in der gesellschaftlichen Diskussion in Wert zu setzen. Mehr denn je müssen wir Brücken bauen zwischen Mensch und Natur, Wirtschaft und Umwelt“, sagte Hutter im Vorfeld des vom Freitag, 22. bis Sonntag, 24. August stattfindenden Open-Air-Festivals „Rock for Nature“ bei Schwäbisch Hall.

NatureLife-International unterstützt im Schulterschluss mit Slow Food Deutschland und dem Bioverband IFOAM (International Federation of Organic Agriculture Movements) die tausend Mitgliedsbetriebe zählende Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall, die auf einem 50 Hektar großen Bioweizenfeld ein Rockfestival der Superklasse organisiert hat. Mit Solo-Interpreten und Pop-Gruppen wie Joe Cocker, Roger Hodgson von Supertramp, Nena and Band und den Scorpions wolle man auf fröhliche Art und Weise Natur und Kultur zusammenbringen und die Menschen auf sympathische Art auf den notwendigen Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen aufmerksam machen.

Schon jetzt werde es für den Naturschutz immer schwieriger, junge Menschen vom Computer wegzubringen und für die ganze Faszination des Lebendigen in Feld, Wald und Flur zu begeistern. „Wenn es nicht gelingt, die Entscheidungsträger von morgen für mehr Engagement für die eigenen Lebensgrundlagen zu motivieren, war die Arbeit des Naturschutzes der vergangenen 30 Jahre schlichtweg für die Katz“, meint Hutter. Zugleich fordert er mehr Offenheit aller im Natur- und Umweltschutz Engagierten für andere gesellschaftlichen Bereiche. Wer nicht vorbehaltlos das Gespräch suche, könne auch nicht erwarten, dass andere vorbehaltlos Argumente anhören.

Mit dem Open-Air-Festival „Rock for Nature“ schlage man ein neues Kapitel im Natur- und Umweltschutz auf, weil neue Wege beschritten würden, Menschen für breites Engagement in Sachen Umweltvorsorge und Nachhaltigkeit zu gewinnen. „Der Naturschutz muss endlich weg vom Image des ständigen Jammerlappens“, sagte Hutter, dessen Stiftung NatureLife-International sich neben Fragen der Nachhaltigkeitsbildung vor allem um die Verknüpfung von Armutsbekämpfung, Klimaschutz und Bewahrung der Biodiversität engagiert und u. a. in Südostasien der Renaturierung früher abgeholzter Regenwaldbereiche fördert. Das Open-Air-Festival „Rock for Nature“ leiste nicht nur einen wichtigen Beitrag für ein neues Image des Natur- und Umweltschutzes, sondern helfe auch ganz praktisch.

NatureLife-International hat zusammen mit Partnern in Südwest-China bereits vor 8 Wochen im Rahmen eines Modellprojekts auf mehreren Hektar - früher für den Opium-Anbau gerodete - Fläche an den Bergen des Oberen Mekong wieder einen reich strukturierten Sekundärwald angepflanzt. Am Schluss werden nach Angaben von NatureLife-International

über hundert Baum- und Straucharten einen artenreichen Wald bilden, der nicht nur ethnischen Minderheiten dauerhaft und damit nachhaltig durch die Nutzung von Kräutern, wildem Tee und der Zucht von Orchideen ein Auskommen gebe, sondern zugleich die Erosion verhindere, gefährdeten Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum biete und ein wichtiges Sauerstoff-Erneuerungsgebiet darstelle.

Rechtzeitig habe man dafür gesorgt, dass das Festival „Rock for Nature“ klimaneutral gestaltet werde. 70 % der örtlich benötigten Elektrizität stamme aus regenerativen, nachhaltig erzeugten Energieträgern, der Rest werde über konkrete CO2-Minderungsmaßnahmen durch die Regenwaldrenaturierung kompensiert. Wie der Präsident von NatureLife-International Hutter mitteilte, erwarten die Veranstaltungspartner zwischen 25.000 und 30.000 Besucher. Besonders erfreulich sei, dass sich alle verpflichteten Stars zu Umweltschutz und Nachhaltigkeit bekennen. So unterhalte Joe Cocker selbst eine Biofarm und setze sich ganz nach dem Motto des Festivals „Gen-Tec no thanks“ für gentechnikfreie Landwirtschaft weltweit ein. Nachhaltigkeit und sorgsamer Umgang mit den Lebensgrundlagen stehen auch im Mittelpunkt eines umfangreichen Beiprogramms zu „Rock for Nature“, zu dem u. a. die alternative Nobelpreisträgerin Dr. Vandana Shiva aus Indien und andere weltweit tätige Akteure erwartet werden.