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Rock für den Regenwald

Nachhaltigkeit beim Open Air-Konzert mit Bon Jovi und Gianna Nannini

NatureLife-International und SKS Michael Russ GmbH ziehen erste Zwischenbilanz in Sachen Umweltvorsorge bei Großveranstaltungen

Stuttgart. Während sich die rund 5.000 Delegierten in Bonn bei der Welt-Biodiversitätskonferenz die Köpfe darüber heiß reden, wie die Vielfalt der Natur für kommende Generationen erhalten werden kann, wird am kommenden Donnerstag im Stuttgarter Gottlieb-Daimler-Stadion kräftig gerockt. Bis zu 40.000 Gäste werden zum Open Air-Popereignis mit Weltstars Bon Jovi und Gianna Nannini erwartet. Muten beide Veranstaltungen doch recht gegensätzlich an, so haben sie durchaus etwas miteinander zu tun.

„Was nützt es, wenn darüber diskutiert wird, wie man durch internationale Abkommen und die unterschiedlichsten Projekte weltweit bedrohte Tier- und Pflanzenarten rettet, wenn die Menschen nicht erreicht werden und keine Realisierung auf regionaler und lokaler Ebene stattfindet“, so Claus-Peter Hutter, Präsident der Nachhaltigkeitsstiftung NatureLife-International. Mit Olaf Danner, Geschäftsführer der SKS Michael Russ GmbH, hat Hutter einen weiteren Mitstreiter in Sachen Umweltvorsorge und nachhaltiges Wirtschaften gefunden. Gemeinsam hat man sich zum Ziel gesetzt, gerade Großveranstaltungen, wo viele Menschen zusammenkommen, im Hinblick auf Nachhaltigkeitskriterien zu beleuchten und Zug um Zug Aspekte des Umweltschutzes und der Nachhaltigkeit zu integrieren.
Im Vorfeld des am Donnerstag, 29. Mai, ab 17.30 Uhr stattfindenden Open Air-Konzerts im Gottlieb-Daimler-Stadion zogen beide Partner jetzt eine erste Zwischenbilanz. „Wir wollen die Menschen, die zu unseren Konzerten kommen, in ihrer tollen Stimmung abholen und ohne erhobenen Zeigefinger vermitteln, dass jeder etwas für die Umwelt und damit für seine eigenen Lebensgrundlagen und die Vielfalt in Natur und Landschaft tun kann. Dazu gehört auch, dass wir im Rahmen der Konzerte das bestmögliche tun, um den Umwelt- und Nachhaltigkeitsgedanken mit Leben zu erfüllen“, so Olaf Danner. Er ist sich zusammen mit C.-P. Hutter darin einig, dass Umweltvorsorge und Nachhaltigkeit letztlich nicht mit Regierungserklärungen und Konferenzen, sondern nur mit konkreten Beispielen zu verwirklichen sind. Dazu müsse jeder in seinem Bereich Verantwortung übernehmen.

Weil Klimaschutz die beste Vorsorge für die Erhaltung der Vielfalt von Lebensräumen ist, hat sich die SKS Michael Russ GmbH im Dialog mit NatureLife-International und anderen Partnern im ersten Schritt der Zusammenarbeit auch auf die Einsparung von Energie zur CO2-Reduktion konzentriert. Zwar könne man der technischen Gigantomanie mancher Konzertveranstalter und dem damit verbundenen Energieverbrauch kaum etwas entgegensetzen, doch sei es gelungen, durch das Angebot eines Kombitickets, welches nicht nur den Zutritt zum Megaevent mit Gianna Nannini und Bon Jovi ermöglicht, sondern auch die Nutzung von S-Bahn, U-Bahn und Bussen im Verkehrsverbund beinhaltet, einen großen Fortschritt zu erzielen. Die Veranstalter gehen auf der Basis von Recherchen des VVS davon aus, dass rund 390.600 Pkw-Kilometer vermieden werden. „Dies bedeutet eine Einsparung von 64 Tonnen CO2“, unterstreicht Stiftungspräsident C.-P. Hutter.

Als Symbol für die mögliche Kompensation des nicht vermeidbaren CO2 wird NatureLife-International in Südostasien 3 Hektar Fläche eines schon vor Jahrzehnten abgeholzten Regenwaldes mit über 150 heimischen Baum- und Straucharten wieder aufforsten. Nach rund 10 bis 12 Jahren sind dann nach Angaben von NatureLife-International rund 500 Tonnen CO2 eingebunden. Damit habe man zwar das Ziel, das gesamte Konzert CO2-neutral zu gestalten, noch nicht ganz erreicht; dennoch sei man nicht nur auf einem guten Weg, sondern setze auch als Vorreiter neue Zeichen.

Dies zeigt u.a. das bundesweite Interesse an der Kooperation von SKS Michael Russ GmbH und NatureLife-International. So wird ein Team des ZDF aus Mainz die einzelnen Schritte der Verwirklichung von Nachhaltigkeitszielen porträtieren. Und auch die Zeitschrift natur+kosmos ist auf die ungewöhnliche Allianz von Konzertveranstalter und Umweltstiftung aufmerksam geworden.

Zu den ökologischen Bausteinen des Gesamtkonzepts gehört u.a. das ausgeklügelte System zur Vermeidung, Trennung und Wiederverwertung von Abfällen und das Bestreben, bei Großveranstaltungen auch die Verpflegung zunehmend nachhaltig zu gestalten. Im konkreten Fall bedeutet dies, dass kurze Wege angestrebt werden und Waren möglichst aus der Region stammen, nachhaltig und, wenn irgend möglich, biologisch produziert wurden. „Hier haben wir uns ehrgeizige Ziele gesetzt und es ist sicherlich nicht einfach, diese alle sofort umzusetzen“, unterstreicht Olaf Danner. So müssen u.a. auch langfristige Lieferverträge beachtet werden. Trotzdem ist man für das Bon Jovi-Konzert schon einen Schritt weiter gekommen. Testweise gibt es diesmal die Bockwurst im Bio-Brötchen und es werden neben den weltbekannten Limonaden alternativ auch Säfte aus heimischer, regionaler Produktion angeboten. „Was künftig zusätzlich realisiert werden kann hängt dann maßgeblich auch von den Konzertbesuchern ab“, sagt Claus-Peter Hutter. Letztlich habe es jeder selbst in der Hand, ob er entsprechende Angebote auch annehme. Nur wenn nachhaltig und biologisch erzeugte Waren auch nachgefragt werden, hätten die Bauern die Chance, entsprechend zu produzieren. Und nur dann könne man auf dem Weg zum nachhaltigen Mega-Event weitere Ideen realisieren.

Damit hierfür möglichst viele Menschen gewonnen werden, wird NatureLife-International an den Zugängen zum Daimler-Stadion mit Infoständen vertreten sein. Darüber hinaus wurde ein speziell auf jüngere Konzertbesucher ausgerichteter Spot gedreht, mit dem möglichst viele Menschen nicht nur jetzt beim Bon Jovi-Konzert, sondern auch bei kommenden Großveranstaltungen erreicht werden sollen. Al Gore und ein Indianerjunge machen darin auf ungewöhnliche Weise deutlich, dass es auch von unserem Verhalten abhängt, ob die Polkappen schmelzen und die Regenwälder verschwinden. „Vielleicht sollten die Konferenzteilnehmer in Bonn auch Wege suchen, wie man auf fröhlichere Art und Weise das Thema Umweltvorsorge sympathisch vermitteln kann. Frau Merkel und die anderen Staatsleute wären herzlich eingeladen“, so Olaf Danner.

Der Konzertprofi ist sich mit Umweltexperte C.-P. Hutter darin einig, dass es sich lohnt, trotz schwieriger Rahmenbedingungen den eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Und weil das Ganze keine Eintagsfliege sein soll, verfolgt man ein ähnliches Konzept beim Konzert mit Herbert Grönemeyer und Band am 30. Mai in Aalen und beim Open Air-Festival mit Ian Anderson und Jethro Tull am 16. Juli auf dem Stuttgarter Killesberg.