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„Schützen durch sägen“ – NatureLife-Aktion bei klirrender Kälte für das „Neckarparadies“

Benningen / Ludwigsburg. Auch von klirrender Kälte ließen sich Naturschutzhelfer am vergangenen Samstag nicht davon abhalten, mit Motorsägen, Handsägen und Astscheren der Natur unter die Arme zu greifen. Unter dem Motto „Schützen durch sägen“ trafen sich auf Einladung der Umweltstiftung NatureLife-International Helfer von NatureLife, des Lions Clubs Marbach-Bottwartal und der Daimler AG zum Pflegeeinsatz.

Ziel war es, die Gehölzzone zwischen dem im Jahre 1998 gefluteten, neuen Seitenarm „Neckarparadies“ und dem hoch frequentierten Rad- und Wanderweg auf Gemarkung Benningen so auszulichten und zurückzuschneiden, dass wieder dichteres Unterholz als Schutz für das mittlerweile von seltenen Vogelarten bewohnte Naturreservat entsteht. Und im Bereich der vom Lions Club Bottwartal gespendeten, behinderten- und familiengerechten Beobachtungsplattform galt es wieder Sichtachsen für die Besucher herzustellen. „Damit werden auf ideale Weise Naturschutz, Umweltbildung und Heimatbewahrung verknüpft“, so NatureLife-Präsident Claus-Peter Hutter. Das bei der Pflegeaktion anfallende Holz und Geäst wurde dabei als wertvolles Totholz im Gelände belassen.

Das schon vor einigen Jahren erstellte und konsequent verfolgte Pflegekonzept habe sich bewährt, so Hutter vor Beginn der Aktion. Im „Neckarparadies“ hätten sich nicht nur Eisvogel, Nachtigall und Dorngrasmücke, sondern auch mittlerweile selten gewordene Wasservogelarten angesiedelt. Auch wenn manche Arten nicht, wie Teichhuhn und Blässhuhn, im Gebiet brüten, stelle dieses für gefährdete Wasser- und Feuchtzonen bewohnende Arten einen wichtigen Rast- und Durchzugsplatz dar.

So wurden mehrfach Nachtreiher, Gänsesäger und Krickenten beobachtet. Nahezu das ganze Jahr über können Besucher Graureiher, Stockenten und Höckerschwäne aus nächster Nähe bestaunen. Das „Neckarparadies“ ist auch Teil der vom Lions Club Bottwartal entwickelten Initiative „Grünes Band Neckar-, Murr- und Bottwartal“, in deren Rahmen Naturerlebniswelten mit Alleen, Hecken und Strauchzonen gemeindeübergreifend vernetzt werden, erzählte der Lions-Alleenbeauftragte Andreas Kroll. Er kündigte an, dass noch in diesem Jahr weitere Alleenbäume gepflanzt werden.

Doch zunächst galt es, trotz klirrender Kälte durch Sägen und Schneiden wieder ökologische Nischen zu schaffen. Normalerweise regelt das die Natur selbst. Doch weil die natürliche Flussdynamik seit der Neckarkanalisierung fehle, gäbe es einfach zu wenig naturnahe Lebensräume und es könne aus Gründen des Artenschutzes nicht abgewartet werden, bis durch natürliche Prozesse entsprechende Lebensräume entstehen, betonte Fischerei-Experte Harald Entenmann.

Nach dem Arbeitseinsatz informierten sich die Helfer bei einem wärmenden Gaisburger Marsch im Bauhof des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) bei der Schleuse Marbach / Benningen über Möglichkeiten des Naturschutzes im Rahmen der Uferunterhaltung. Uwe Hartmann, stellvertretender Leiter des WSA-Aufsichtsbezirks Marbach, berichtete, dass man nach dem Vorbild beim „Neckarparadies“ jetzt an der Murrmündung im Rahmen von Unterhaltungsarbeiten eine Brutmöglichkeit für den Eisvogel geschaffen habe. Außerdem engagiere sich das WSA in enger Abstimmung mit den Naturschutzbehörden im Bereich des Altneckars zwischen Freiberg und Pleidelsheim. Nach der erfolgreichen Flutung des neuen Naturparadieses „Zugwiesen“ bei Ludwigsburg-Poppenweiler stehe jetzt der Rückbau eines Uferdammes oberhalb der Schleuse Poppenweiler an. „Dann wird dort der Neckar in das jetzt angelegte Sumpf- und Seengebiet übergehen“, so Uwe Hartmann.

„Der Pflegeeinsatz am Samstag machte wieder einmal deutlich, dass viele einzelne Maßnahmen zusammen ein großes Netzwerk für mehr Natur im Ballungsraum geben können“, so Silke Grüttke von der Daimler AG, die das NatureLife-Projekt „Neckar-Junior-Ranger“ unterstützt.

Helfer am Neckarparadies Weichfresser wie das Rotkehlchen haben es jetzt im Winter besonders schwer. Sie können sich nicht wie Meisen an Futterknödel hängen. Für diese Arten sollte Fettfutter auf Reisighaufen oder in Astgabeln (für Katzen unzugänglich) deponiert werden, empfiehlt die Umweltstiftung NatureLife-International. Trotz klirrender Kälte konnte NatureLife-Präsident Claus-Peter Hutter (links) zahlreiche Helfer am „Neckarparadies“ begrüßen. Das Bild zeigt nur einige Teilnehmer von NatureLife und dem Lions Club Bottwartal.
(Foto: NLI)