Stuttgart. Auch wenn das, in weiten Teilen Deutschlands sonnige Herbstwetter darüber hinwegtäuscht, steht doch der Winter vor der Tür und bald beginnt für die Natur wieder der Überlebenskampf. Weil durch die intensive Agrarwirtschaft in immer mehr ausgeräumten Landschaften schon das Jahr über die Nahrung für viele Vogelarten immer knapper wird, verschärft sich die Situation besonders in den Wintermonaten. Darauf hat jetzt die Umweltstiftung NatureLife-International (NLI) hingewiesen. „Die Winterfütterung für Wildvögel macht Sinn“, so NatureLife-Präsident Claus-Peter Hutter. Auch wenn teilweise häufigere Arten – wie etwa Meisen – gefüttert werden, helfe richtig verstandene Vogelfütterung der Natur und trage dazu bei Naturbeobachtungen zu ermöglichen, Naturverantwortung bei Kindern zu wecken und Tieren gezielt zu helfen. Dies ist nach Mitteilung von NatureLife-International mehr denn je notwendig, weil durch den Klimawandel häufiger eintretende, lang anhaltende Wärmeperioden – wie in den letzten Wochen – manchen Vogelarten Nahrungssicherheit vorgaukeln, sodass diese nicht nach Süden ziehen. Bei plötzlich einsetzender Kälte und Schnee haben sie nicht mehr die Möglichkeit rechtzeitig über die Alpen hinweg auszuweichen.
Bester Vogelschutz sei, noch in diesen Tagen Laub- und Reisighaufen anzulegen und im kommenden Frühjahr in den Gärten naturnahe Überlebensinseln, wie Hecken und Gehölze anzulegen und im kommenden Sommer Wildstauden mit ihren Samenständen bis in den Herbst und Winter hinein stehen zu lassen. Doch nicht nur Haus- und Gartenbesitzer seien gefordert, sondern auch die Kommunen, die Länder und andere Waldbesitzer. „Bester Vogelschutz ist die Erhaltung und Schaffung eines Netzwerkes von naturnahen Wäldern mit einem hohen Altholzanteil im Verbund mit Hecken und
Feldgehölzen. Dort können wenigstens einige Vogelarten in strengen Wintern noch Beeren und Sämereien finden“, betont C.-P. Hutter. In den Dörfern und Städten gelte es, durch richtige Winterfütterung dafür zu sorgen, dass sich keine Vogelkrankheiten ausbreiten können.
Für die richtige Winterfütterung empfiehlt NatureLife die folgenden Punkte:
- Für die verschiedenen Meisenarten Futterknödel so aufhängen, dass sie vor Katzen geschützt sind.
- Vogelhäuschen für Finken und Sperlinge sauberhalten und katzensicher aufstellen. Niemals Brot und dergleichen auslegen, weil dies Wasser aufnimmt und gefriert.
- Tolerant sein, wenn sich Sperber, Habicht oder Falken am Futterhaus einen Vogel holen. Greifvögel sind stärker gefährdet als Meisen und Finken, und so trägt man indirekt zum Schutz bedrohter Arten bei.
- Amseln und Drosseln kann mit Äpfeln geholfen werden.
- Wo es noch alte Scheunen, Ställe und Schuppen gibt, sollten Einflugmöglichkeiten geöffnet werden, damit Eulen Mäuse fangen können.
- Weichfresser wie Rotkehlchen und Zaunkönig können sich nicht wie Meisen an Futterknödel hängen. Für diese Arten Fettfutter (etwa Meisenknödel) in Reisighaufen deponieren.
- Wer einen Komposthaufen im Garten hat, kann ab und zu mit dem Spaten frostfreie Stellen aufdecken, damit Vögel dort nach Kleingetier scharren können. Allerdings hält eine solche Naturfutterstelle wegen des Frostes nicht allzu lange.
- Besitzer von Fischteichen mit schnell fließendem und deshalb nicht gefrierendem Wasser sollten sich der Eisvögel erbarmen und evtl. vorhandene Abwehrnetze entfernen.
- Im kommenden Frühjahr heimische Beerensträucher wie Liguster, Holunder, Weißdorn und Hartriegel pflanzen, denn der nächste Winter kommt bestimmt.
Die Nachhaltigkeitsstiftung NatureLife-International engagiert sich für breite Umweltbildung und praktischen Naturschutz vor der Haustür ebenso wie für den internationalen Umweltdialog.
Weichfresser wie das Rotkehlchen haben es jetzt im Winter besonders schwer. Sie können sich nicht wie Meisen an Futterknödel hängen. Für diese Arten sollte Fettfutter auf Reisighaufen oder in Astgabeln (für Katzen unzugänglich) deponiert werden, empfiehlt die Umweltstiftung NatureLife-International.
Foto: C.-P. Hutter/NLI
Abdruck honorarfrei bei Angabe der Bildquelle