Umweltstiftung NatureLife zu Windradplanungen im Hardtwald: „Wir verhökern unser grünes Tafelsilber“

Stiftungspräsident C.-P. Hutter fordert gerechte Gewichtung aller ökologischen Belange

Kreis Ludwigsburg. „Wir verhökern unser grünes Tafelsilber für rein am Elektrostrom orientiertes Denken. Dabei vergessen wir die wertvolle Energie des Waldes mit all seinen Funktionen für Klima-, Boden- und Grundwasserschutz sowie als wichtiger Lebens- und Erholungsraum“,  so Claus-Peter Hutter, Präsident der in Ludwigsburg ansässigen Stiftung NatureLife-International (NLI), zu den jüngst bekannt gewordenen Plänen, im Hardtwald bis zu acht Windräder zu installieren.
 
Hutter fordert eine ehrliche Umweltbilanz, bei der den verlockenden schnellen Gewinnen aus der Windkraft die wahren Werte einer der wertvollsten Erholungslandschaften  in der Region Stuttgart gegenüber gestellt werden müssten. „Windkraft darf nicht Natur und Heimat in den Windschatten stellen. Solange nicht alle öffentlichen Gebäude wie Turn- und Festhallen, Schulen und Rathäuser sowie viele tausend dafür geeignete Dächer mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet sind, kann Windkraft im waldärmsten Gebiet Deutschlands keine ehrliche Option sein“, sagte der NatureLife-Präsident und bezieht hierbei auch die Windkraftplanungen im Stromberggebiet im Nordwesten des Kreises Ludwigsburg ein.
 
Hutter kritisiert vor allem die enormen Eingriffe und dauerhaften Störungen für die Natur. „Allmählich bekommt man das Gefühl, dass die ökologischen Schätze im Nordwesten und Nordosten des Kreises Ludwigsburg der Plünderung freigegeben werden. Dafür sprechen auch viele andere, scheinbar kleine Eingriffe, die in der Summe immer mehr Löcher in das grüne Tischtuch noch intakter Natur reißen.“
 
Wie man bei NatureLife betont, betrage die Fläche für das Beton-Turmfundament der geplanten Windräder zwar nur 500 Quadratmeter. Es dürften bei den „pseudoökologischen“ Schönrechnungen jedoch der Bau von dauerhaft zu unterhaltenden  Zufahrtsstraßen mit erheblichen, nicht mehr rückgängig zu machenden Bodenverdichtungen, der aufwändige Bau- und Unterhaltungsverkehr mit ständigen Störungen für die letzten Rückzugsgebiete heimischer Wildtiere, die Landschaftszerschneidung, die Störung der Grundwassererneuerungsgebiete und somit der Verlust der einzigen, weitgehend geschlossenen Waldgebiete im Landkreis Ludwigsburg nicht vergessen werden.  „Wir zerstören damit Natur. Mit dem scheinbar sauberen Strom schauen wir dann Fernsehdokumentationen über schöne Landschaften, die es so dann vor der eigenen Türe nicht mehr gibt“.
 
Für gravierend hält Hutter die Störungen für die Tierwelt der Landschaftsschutzgebiete, der Fauna-Flora-Habitat Gebiete, sowie der nach der Internationalen Vogelschutzrichtlinie nach europäischem Recht geschützten Lebensräume im Hardtwald und im Stromberg. Betroffen seien u.a. die Vorkommen von Wildkatze, Schwarz- und Rotmilan, Habicht, Schwarzspecht, Großes Mausohr und anderer Fledermausarten.
 
Es brauche nur etwas gesunden Menschenverstand um zu erkennen, dass eine rein energetische Betrachtung von scheinbar sauberem Strom niemals den vielfältigen ökologischen Leistungen und Wohlfahrtswirkungen für die erholungssuchende Bevölkerung überwiege. Dazu bedürfe es keiner aufwändigen, teuren Studien. Hutter betont, dass man bei NatureLife Windenenergie nicht generell ablehne, aber der ohnehin stark zersiedelte und belastete Ballungsraum nicht mit der norddeutschen Tiefebene vergleichbar sei. „Das jahrelange politische Versäumnis, die Netze für den Transport von Strom von Nord nach Süd herzustellen, darf nicht auf den Wipfeln unserer ohnehin kleinen Wälder und den Köpfen der Bevölkerung ausgetragen werden.“ Auch seien die kümmerlichen Restwaldflächen im Kreisgebiet nicht mit zum Teil großflächigen Wäldern mit anderem Potential vergleichbar.
 
„Alternativen zu den gigantischen Windrädern für das Kreisgebiet gibt es genug. Leider spricht fast niemand mehr vom Stromsparen“, so NatureLife in einer Pressemitteilung.